3. Wänn hät de Jürg Gebuurtstaag?

  1. De Armin hät am achte Mai Gebuurtstaag.
  2. D Martina hät zwäiezwänzg Tääg nach em Armin Gebuurtstaag und vo de Sonja und de Caroline de gliich Abstand.
  3. D Sonja hät äi Wuche vorem Jürg Gebuurtstaag.
  4. D Caroline hät äin Monet und zwölf Tääg vor de Martina Gebuurtstaag.
  5. Acht plus zwäiezwänzg isch driisg.
  6. Also hät d Martina am driisgischte Mai Gebuurtstaag.
  7. D Sonja hät äin Monet und zwölf Tääg nach de Martina Gebuurtstaag.
  8. Also hät si am elfte Juli Gebuurtstaag.
  9. De Jürg hät äi Wuche nach de Sonja Gebuurtstaag.
  10. Elf plus sibe isch achzä.
  11. Also hät de Jürg am achzääte Juli Gebuurtstaag.

2. E grossi Ufregig

  • Mami, Mami!
  • Worum rüeft s Liseli eso verzwiiflet?
  • S tönt vo dusse vorem Huus! Ich gaa grad gschwind go luege! Hoffetli isch nüt Dumms passiert, usgrächnet hüt, wo de Ruedi Geburtstag hät!
  • Ales isch scho paraad, de Geburtstagschuechen und de Süessmoscht. In-ere Viertelstund chömed d Gescht. Aber mit öisem Liseli cha nüt wien-am Schnüerli laufe!
  • Mami, mami, ich bring de Chrueg nümen-ewegg! S Büsi hät de Chopf im Chrueg ine!
  • Oo, lueged emaal öise Schnurrli! Jez mues er mit-em Huet go Müüs fange!
  • Liseli, wie isch dänn das passiert?
  • Ich ha welle, das s Büsi au öppis hät vom Geburi! De Schnurrli hät doch so gern Nidel1Rahm und chunt fascht nie über! Ich han-echli2ein wenig i de chlii Milchchrueg too und han-en-em Schnurrli hergstellt zum Trinke. Uf äimaal isch er umegränt mit-em Chopf im Chrueg!
  • Ja, da müemer probiere, de Chrueg ewegg z nee. Du, Ruedi, heb emaal de Schnurrli ganz fescht, dass er nöd eso cha umezable3herum zappeln. Ich heb de Chrueg und probiere z zie! Ou, das gaat aber nöd guet! Wie hät dänn de Schnurrli sin Chopf chöne da ine stecke?
  • Was söllemer jez mache? Müemer de Chrueg verschlaa4verschlagen = zerbrechen?
  • Näi, ich ha s! Me müend de Chrueg treje, eso dass de Chatzechopf is Ovaal zwüschet-em Hänkel und em Usguss passt.
  • O ja, jez gaat s.
  • Zum Glück! Das wär jez no gsi, wänn de Schnurrli het müese mit-em Huet umelaufe! Und um de Chrueg wär s au schaad gsi!
  • Dörf i jez nöd am Geburifäscht debii sii?
  • Momoll, häsch s ja guet gmäint mit-em Büsi, mer cha nöd schimpfe mit dir. Aber s nächscht Maal muesch frööge, bevor öppis nimsch us de Chuchi.
  • Lueged emaal, wie de Schnurrli abhaut! Ich glaub, er wott siner Läptig5Lebtag kä Nidle me schläcke!
  • Los, s schälet6es klingelt. Si chömed!
  • Sind ir grad alli mitenand da? Das ischt guet!
  • Salü, Ruedi! Viel Glück zum Geburtstag! Das isch mini Fründin us de Stadt, d Nina. Mir wünsched dir alles Gueti zum Geburi.
  • Danke für d Iiladig!
  • Mini Schuelkolleege sind au scho da! Hoi zäme! Chömed ine.
  • D Nina und ich händ dir da es Geburi-Gschänk: mir händ mitenand Schoggi-Guetsli gmacht.
  • Danke vilmaal! Uf Schoggi-Guetsli fröi i mi gwaltig! Mer müend s grad hüt zaabig echli probiere.
  • Ich schänk dir mit-em Martin und em Toni zämen‑e CD [ˈtsedə] mit-eme klassische Konzert.
  • Das isch toll! Ir sind s Zäni!
  • De Ruedi loset imer no numen-eso altmodisches Züüg. Hüt loset mer doch ganz anderi Sache! Mir gfallt d moderne Mussig vil besser!
  • Du chunsch aber vil Gschänk über! De grüe Pulli vo de Grossmueter find ich au eso schöön! Und lueg, jez chunt sogar no s Liseli mit-eme Gschänk.
  • Lueg da, Ruedi, Blüemli für dich!
  • Wau, en ganze Struuss! Und was für en schööne! Gääli, blaui, wiissi, roti Blueme! Woher häsch du dänn son-en schöne Bluemestruuss?
  • Dänk us-em Gaarte vo de Mueter gholt. Liseli, bisch e fertigs Luusmäitli!
  • Chömed, jez wämer mini Geburtstagsturten ässe. D Mueter hät äxtra ganz e groossi gmacht!
  • Du, Ruedi, zu dim Geburi lad ich dich ii, emaal mit mir z Züri go bumle und echli d Stadt aaluege.
  • Das isch e guete Idee, da chum i gern!

6. Zahlen, Uhrzeiten, Daten

Zahlen
Uhrzeiten
Ordinalzahlen
Daten

Zahlen

1äis11elf21äinezwänzg40vierzg
2zwäi12zwölf22zwäiezwänzg50füfzg
3drüü13drizä23drüüezwänzg60sächzg
4vier14vierzä24vierezwänzg70sibezg
5föif15füfzä25föifezwänzg80achzg
6sächs16sächzä26sächsezwänzg90nüünzg
7sibe17sibezä27sibenezwänzg100hundert
8acht18achzä28achtezwänzg1’000tuusig
9nüün19nüünzä29nüünezwänzg1’000’000e Milioon
10zää20zwänzg30driisg1’000’000’000e Miliard

Die Endung -i

AlterIch bin geschter sächsezwänzgi worde. (Auch informell: 26i.)
TramnummerDa chunt s Vierzäni.
Schuh- und Kleidergrössens Nüünedriisgi
UhrzeitenIch chume um föifi.

Uhrzeiten

MinuteBeispiele
05:00Ich chumen um d föifi ume. (gegen 5)
5föif ab1:05S isch föif ab äis.
10zää ab2:10S isch zää ab zwäi.
15Viertel ab3:15S isch Viertel ab drüü.
20zwänzg ab4:20S isch zwänzg ab vieri.
25föif vor halbi5:25Ich chumen am föif vor halbi sächsi.
30halbi6:30Ich chumen öppen am halbi sibeni. (um ca.)
35föif ab halbi7:35Ich bin da sit föif ab halbi achti.
40zwänzg vor8:40S isch zwänzg vor nüüni.
45Viertel vor9:45S isch Viertel vor zäni.
50zää vor10:50S isch zää vor elfi.
55föif vor11:55S isch föif vor zwölfi.

Ordinalzahlen

1.eerscht11.elft30.driissgischt / driissigscht
2.zwäit12.zwölft40.vierzgischt / vierzigscht
3.dritt13.drizäät50.füfzgischt / füfzigscht
4.viert14.vierzäät60.sächzgischt / sächzigscht
5.föift15.füfzäät70.sibezgischt / sibezigscht
6.sächst16.sächzäät80.achzgischt / achzigscht
7.sibet17.sibezäät90.nüünzgischt / nüünzigscht
8.acht18.achzäät100.hundertscht
9.nüünt19.nüünzäät1’000.tuusigscht
10.zäät20.zwänzgischt / zwänzigscht

Daten

  • De welet hämer hüt?
  • Hüt hämer de föift Novämber.
  • De welet isch moorn?
  • Moorn isch de zwäiezwänzgischt Juli.
  • De wivilt isch geschtere gsi?
  • Geschter isch de driizäät Mai gsi.
  • Wänn häsch Geburi?
  • Min Geburi isch am driizääte Septämber.
  • Wann gäsch i d Ferie?
  • Ich gaa i d Ferie am sächzääte Oktober.
  • Mir händ scho Mitti Monet.

1. Neui Lüüt chenne leere

• Wie isch Ire Name?
◦ Min Namen isch Iten.
• Wie isch din Name?
◦ Min Namen isch Ueli.
• Wie heissed Si?
◦ Ich heissen Iten.
• Wie heissisch du?
◦ Ich heisse Ueli.
• Sind Si de Herr Odermatt?
◦ Ja, ich bi de Herr Odermatt.
• Bisch du de Bruno?
◦ Ja, ich bi de Bruno.
• Sind Si d Frau Hefti?
◦ Nei, ich bi nöd d Frau Hefti.
• Bisch du d Anna?
◦ Nei, bini nöd.
• Wo woned Si?
◦ Ich wone z Züri.
• Wo wonsch (du)?
◦ Ich wone z Bärn.
• Wie isch Iri / dini Adrässe?
◦ Mini Adrässen isch Dorfstraass 5.
• A welere Strass wonsch?
◦ Ich wonen a de Dorfstraass.
• Woher chömed Si?
◦ Ich chume vo der Schwiiz.
• Woher chunsch (du)?
◦ Ich chumen us de Schwiiz
• Was isch Iri Mueterspraach?
◦ Mini Mueterspraach isch Schwiizertüütsch.
• Was isch dini Mueterspraach?
◦ Ich rede Schwiizertüütsch.
• Wie lang sind Si i de Schwiiz gsi?
◦ Ich bin sit 6 Jaar i de Schwiiz gsi.
• In welem Land läbsch (du)?
◦ Ich läbe i de Schwiiz.
• Was isch Ire Brueff?
◦ Min Brueff isch Metzger.
• Was bisch (du) vo Brueff?
◦ Ich bi Studänt (vo Brueff).
• Wie gönd Si go schaffe?
◦ Ich gaa / faar mitem Auto / Töff / Velo.
• Wie gaasch (du) go schaffe?
◦ Ich gaa / faar mitem Zug / Tram / Bus.
• Wie lang bruuched Si für de Aarbetswäg?
◦ Ich bruuche 30 Minuute für de Aarbetswäg.
• Gfalt dir d Aarbet?
◦ Nei, d Aarbet gfalt mer nöd.

17. Regionale Unterschiede

Übersicht
Berndeutsch
Baseldeutsch
Wortschatz


Der Fokus dieses Blogs liegt auf Zürichdeutsch (ZHDt). Zum Beispiel wird im Wortschatz-Teil, wenn nicht anders angegeben, immer nur die ZHDt-Variante angegeben. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle eine kurze Übersicht über die Unterschiede zu den Dialekten anderer Regionen der Schweiz aufführen.

Im Grunde genommen handelt es sich immer noch um dieselbe Sprache, auch wenn Sprecher der unterschiedlichen Regionen manchmal spielerisch die Sprache der eigenen Region als besonders einzigartig preisen. Grammatisch gibt es zum Beispiel nur minimale Unterschiede. Auch der Grundwortschatz ist immer derselbe. Allerdings gibt es systematische Lautabweichungen zwischen den Varietäten, die dazu führen, dass sich sehr viele Worte in der Schrift unterscheiden; das kann den Eindruck erwecken, dass die Varietäten unterschiedlicher seien, als sie in Wirklichkeit sind.

Zudem gibt es auch ein einzigartiges Wortschatzreichtum, das seinen Grund vor allem darin hat, dass die Geographie der Schweiz bis vor relativ kurzer Zeit die weitgehende Isolation von verschiedenen Regionen begünstigt hat, weswegen sehr alte Formen überlebt haben. Ausserdem sind alle anderen Sprachen der Schweiz romanisch. Durch ihren Einfluss sind die schweizerdeutschen Dialekte besonders reich an Vokabular, das Deutschsprechern, die keine romanische Sprache können, eher fremd vorkommt.

Übersicht

Im Prinzip beansprucht jeder Kanton mindestens eine «eigene» Version des Schweizerdeutschen für sich, aber die alle einzeln zu analysieren ist an dieser Stelle nicht möglich. Statt dessen möchte ich grob zwischen den folgenden «grossen» Sprachregionen unterscheiden:

ZürichDies ist bei weitem die grösste Sprachregion. Auch die Zentralschweiz kann man grob dazu zählen, auch wenn ich mir dabei den Hass z.B. der Lozärner, Zuger und Urner sichere. Allerdings ist es so, dass sich die Sprache graduell mehr und mehr von D-StdDt entfernt, je weiter man nach Süden geht.

BernAuch innerhalb dieser Region gibt es viele Unterschiede, ja sogar innerhalb der Stadt Bern, aber man erkennt Berner im Grossen und Ganzen leicht an ihre Tendenz, langsamer zu sprechen, so wie an der Vokalisierung des /l/-Lautes, was ihrer Aussprache eine runde, süsse Weichheit verleiht.

BaselDie traditionelle Sprache der Stadt Basel gehört eigentlich zur niederalemannischen Dialektgruppe, während im Rest der Schweiz Hoch- oder Höchstalemannisch gesprochen wird1____Mehr zu diesen Begriffen gibt es hier: https://swissgerman.czutro.ch/?p=306 .. Die Sprache von älteren Stadtbaslern steht den Dialekten des Elsass und Südbadens (Deutschland) näher als den Dialekten der Schweiz. Allerdings gleicht sich die Sprache in den jüngeren Generationen langsam dem Hochalemannischen an.
Im Prinzip könnte auch die Sprache Schaffhausens zu dieser Kategorie zählen. Auch hier ist die Nähe zu Deutschland deutlich «herauszuhören», vor allem wegen dem «französichen R» und wegen der Sprachmelodie, die manchmal stark an den südlichen Schwarzwald erinnert.

OstschweizDie Dialekte der Ostschweiz (Thurgau, St. Gallen und Appenzell) unterscheiden sich stark voneinander aufgrund der Geographie. Im Thurgau ist die Nähe zum Bodenseealemannischen und zum Schwäbischen deutlich zu hören, in Sargans dafür die Nähe zu Graubünden und Österreich. Und in den engen Tälern der Appenzeller Berge überleben Hunderte von Begriffen, die sonst nirgendwo zu hören sind.
Aus deutscher Sicht ist die Sprache der Ostschweiz dezidiert schweizerisch, aber Schweizer Ohren hören die Nähe zu Deutschland ganz leicht. Ich habe persönlich Zürcher getroffen, die scherzhaft behauptet haben, St.-Gallen-Deutsch sei «im Prinzip schon Hochdeutsch».

WallisWalliserdeutsch gehört zum Höchstalemannischen, und damit unterscheidet es sich klanglich am Stärksten von der standarddeutschen Sprache. Der Wallis ist von der übrigen Schweiz geographisch stark isoliert, so dass die Deklinations- und Konjugationsvielfalt des Althochdeutschen überlebt hat, und auch der Genitiv ist bei konservativen Sprechern noch lebendig. Ausserdem ist hier der Einfluss der altfranzösischen Sprachen auf den Wortschatz am Stärksten.

GraubündenWie im Wallis haben auch hier, bedingt durch die Geographie, in verschiedenen Dialekten sehr alte Sprachmerkmale überlebt. Ausserdem gibt es noch die spezielle Varietät, die sich ergibt wenn Rumantsch-Muttersprachler CHDt sprechen.

¹Mehr zu diesen Begriffen gibt es hier.

Berndeutsch

Beispiele
BEDt2BerndeutschZHDtStdDt
Aussprache
Vokalisierung von l im Silbenauslaut. Es wird wie ein polnisches ł oder ein englisches w ausgesprochen.
Es wird mit u geschrieben, aber der Buchstabe behält seinen Charachter als Konsonant: d.h., der [u]-Laut bildet keinen Diphthong mit dem vorangehenden Vokal!
verzeue
[fɛrˈtsɛːuə],
nicht
[fɛrˈtsɔʏ̯ə]!
verzähleerzählen
d Chiuched Chiledie Kirche
auiallialle
viuvillviel
Velarisierung3Verdunklung eines Lauts durch die Annäherung der Zunge an den hinteren Teil des Gaumens (Velum) [1]. von nd. Es wird in der Schrift mit ng angegeben, und [ŋ] ausgesprochen (wie das ng in Finger).de Hungde Hundder Hund
d Stungd Stunddie Stunde
aaaigaitgaatgeht
auou s Outos Autodas Auto
manchmal Verkürzung von historisch langen Vokalen (Diphthonge auf StdDt)witwiitweit
schribeschriibeschreiben
sugesuugesaugen
Ei wird eher als [eɪ] ausgesprochen statt als [aɪ].[fleɪʃ][flaɪʃ]Fleisch
Grammatik
Transposition von Hilfs- und Hauptverb in NebensätzenI ha si la gaa. Ich ha si gaa laa.Ich habe sie gehen lassen.
Wiu i chrank bin gsi.Wil ich chrank gsi bin.Weil ich krank war.
Pluralendung -e auch bei einsilbigen starken Maskulina
(auf ZHDt Nullendung)
zwe Wägezwee Wägzwei Wege
zwe Tischezwee Tischzwei Tische
zwe Steinezwee Stäizwei Steine
keinen einheitlichen Plural bei der Verbkonjugationmir heimir händwir haben
diir heitir händihr habt
si heisi händsie haben
Zahlwörter zwei und drei mit Genus-Sensitivitätzwe Mannezwee Mannezwei Männer
zwo Frouezwee Frauezwei Frauen
zwöi Chingzwee Chindzwei Kinder
drei Mannedrü Mannedrei Männer
drei Frouedrü Frauedrei Frauen
drü Chingdrü Chinddrei Kinder
Höflichkeitsform mit der 2. statt der 3. Person PluralDiir / EuchSi / IneSie / Ihnen
Rechtschreibung
Der lange i-Laut [i​ː​] wird bevorzugt mit y statt ii geschrieben4Die meisten Mundartromane, die verfügbar sind, sind auf Berndeutsch..
Typisch Berner Wortschatz
Grüessech
(kommt von «Gott grüsse Euch»)
Grüezi
(kommt von «Gott grüsse Sie»)
gengjeweils, immer
liire, prichteplaudern
näärnachher
siderseither
u dä!na und?
de Giel [gɪu]der Junge,
der junge Mann
s Müntschider Kuss
Säg ejnisch! [ˈeɪnɪʃ]Sag mal!
²Berndeutsch
³Verdunklung eines Lauts durch die Annäherung der Zunge an den hinteren Teil des Gaumens (Velum) [1].
Die meisten Mundartromane, die verfügbar sind, sind auf Berndeutsch.

Baseldeutsch

Beispiele
BADt5BaseldeutschZHDtStdDt
Aussprache
Tendenz zum «französischen R» [ʁ]drisig [ˈdʁisɪg]driisg [ˈdriːsg]dreissig
/k/, das auf ZHDt als [x] (ch) realisiert wird, wird weniger rauh ausgesprochen, mit Tendenz zum standarddeutschen /k/, stärker behaucht.s Kind [kʰind] / [kind]s Chind [xind]das Kind
/k/, /p/, /t/ manchmal stimmhaft ausgesprochend Daigd Teigder Teig
glaichliiklein
manchmal Verkürzung von historisch langen Vokalen (Diphthonge auf StdDt)d Litd Lüütdie Leute
ditschtüütsch / düütschdeutsch
bissebiisebeissen
Entrundung vom mittelhochdeutschen [y] und [ø]griengrüengrün
scheenschönschön
bleedblödblöd
langes ü [y​ː​] ⟶ ie [iə]s Gmiets Gmüetdas Gemüt
kurzes ü [y] ⟶ ii [i​ː​]d Fliigeld Flügelder Flügel
aaood Oobed Aabigder Abend
-lich-ligmeegligmöglimöglich
Suffix der Zahlwörter 20, 30, … , 90 wie StdDtdrisig [ˈdʁisɪg]driisg [ˈdriːsg]dreissig
fufzig [ˈfuftsɪg]füfzg [fʏftsg]fünfzig
Zahlwort für 1000 mit Diphthongdausig [ˈdausɪg]tuusig [ˈtuːsɪg]tausend
Baseldeutsch

Wortschatz

verzähleerzählen
d Chiledie Kirche
d Stunddie Stunde
wiitweit
suugesaugen
zweezwei
drüdrei
d Wägder Weg
d Stäider Stein
driisgdreissig
füfzgfünfzig
tuusigtausend

Quellen

  1. Velarisierung
  2. «Handbuch des Deutschen in West- und Mitteleuropa: Sprachminderheiten und Mehrsprachigkeitskonstellationen», von R. Beyer und A. Plewnia, Narr Francke Attempto Verlag, ISBN 978-3823301745.

16. Grammatik: «Ich gang go poschte.»

Phänomen 1: Verbverdopplung
Phänomen 2: gen
Kombination beider Phänomene
Wortschatz


«Ich gang go poschte.»: der Satz, mit dem Schweizer gern beweisen, dass ihre Sprache nicht einfach Deutsch ist, sondern etwas eigenes. Davon abgesehen, dass poschte nichts mit Post zu tun hat, sondern (ein)kaufen heisst, was D-StdDt-Sprecher gerne verwirrt, enthält dieser Satz die Partikel go, deren Existenz die standarddeutsche Grammatik nicht erklären kann.

Doch die alemannische Grammatik hat zwei gute Erklärungen dafür.

Phänomen 1: Verbverdopplung

Fangen wir mit ein paar Beispielen an:

Gang go luege, ob d Poscht cho seg.Geh nachschauen, ob die Post gekommen ist.
Ich chum morn dich cho bsueche.Ich komme Dich morgen besuchen.
Wottsch mi würkli la gaa laa?Willst du mich wirklich gehen lassen?
Gschwind! Do fangt d Glace afa schmelze.Beeilung! Da fängt das Eis gerade an zu schmelzen.
Tabelle 1: go, cho, laa, afa

Im Alemannischen1Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier. werden die Verben gaa, cho, laa und aafaa, wenn sie reine Infinitive regieren, in verkürzter Form vor dem regierten Infinitiv wiederholt [1]. «Regieren» bedeutet, dass gaa, cho, laa und aafaa als Hilfsverben eingesetzt werden, während das Hauptverb im Infinitiv ist. In den Beispielen auf Tabelle 1 sind das luege, bsueche, gaa und schmelze.

Besonders wichtig ist, dass die Verdopplungspartikel nicht identisch mit dem regierenden Verb ist, sondern eine verkürzte Form davon. Ausserdem gibt es eine grosse geographische Variation, wie die verkürzte Partikel genau lautet, und wann genau sie angewendet wird.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Folgende Sätze sind reale Beispiele:

Er chunt go jasse.Er kommt zum Jassen2Jass ist wahrscheinlich das beliebteste Kartenspiel der Schweiz. Es ist auch im übrigen alemannischen Sprachraum verbreitet, aber seine Popularität ist in der Schweiz sicher am höchsten..
Si faart an Bahnhof ire Maa go abhole.Sie fährt zum Bahnhof, um ihren Mann abzuholen.
Tabelle 2: cho + go, faare + go

Sind das auch Verbverdopplungen? Schliesslich sind cho und faare irgendwie Variationen von gaa, oder? Alles Bewegungsverben.

Nein. Laut [2] müssen beide lexikale Elemente mit dem selben Verb assoziiert sein. Also sind die einzig erlaubten Kombinationen gaa mit go, cho mit cho, laa mit la und aafaa mit afa.

Die Beispiele auf Tabelle 2 entsprechen nicht der Verbverdopplung, sondern einem anderen Phänomen.

¹Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier.
²Jass ist wahrscheinlich das beliebteste Kartenspiel der Schweiz. Es ist auch im übrigen alemannischen Sprachraum verbreitet, aber seine Popularität ist in der Schweiz sicher am höchsten.

Phänomen 2: gen

Manchmal hört man von älteren Mitbürgern Sätze wie

Ich gang go Züri.3Heutzutage sagt man eher «Ich gang uf Züri.»

Bei diesem Satz handelt es sich nicht um das Phänomen der Verbverdopplung, denn in diesem Satz wird gaa nicht als Hilfsverb verwendet, sondern es wird konjugiert (gang). Das go muss aber einen Grund haben.

In Wirklichkeit leitet sich dieses go vom Mittelhochdeutschen gen (gegen) ab [3], und es wird offensichtlich im Sinne von nach verwendet. Also bedeutet «Ich gang go Züri.» nichts anderes als «Ich gehe nach Zürich.». Ähnlich kann «Ich gang go schlafe.» gedeutet werden als «Ich gehe zum Schlafen.».

Das (standarddeutsche) Wort gen ist nicht mehr üblich, aber es kommt oft in der Bibel vor, so wie in weiteren älteren Texten. Zum Beispiel: «Sie fuhren gen Rapperswyl über See.», aus «Die Volkslieder der Deutschen» von Friedrich Karl von Erlach, erschienen im Jahre 1834 [4].

Wenn go von gen abstammt, kann auch sehr oft ge verwendet werden. Auch ga, gi und gu sind möglich.

³Heutzutage sagt man eher «Ich gang uf Züri.»

Kombination beider Phänomene

Schauen wir uns nun ein weiteres Beispiel an, das unter jungen CHDt-Sprechern freilich nicht mehr oft zu finden ist.

Ich gang goge schaffe.Ich gehe arbeiten.

Manche Autoren haben diese Konstruktion fälschlicherweise als Verbverdreifachung gedeutet (gang, go, ge: drei Mal gehen, oder?). Aber das ist sie nicht. In Wirklichkeit ist goge die Kombination von go (Verbverdopplung) und ge (gen).

Wortschatz

poschtekaufen
luegesehen / nachschauen
mornmorgen
d ˈGlace4Ich persönlich hasse dieses Wort mit Leidenschaft! Es tönt schrecklich und keinesfalls wie der wohlklingende französische Begriff, von dem es sich ableitet: crème glacée. (Pauvre français!) Aber es hat wohl noch nie ein echter Eidgenosse Speiseeis oder Eiskrem gesagt. Wer ernsthaft lernen will, muss sich (leider) anpassen.das Speiseeis
würkliwirklich
jassejassen / Jass spielen
töneklingen
uf Züri gaa / faarenach Zürich gehen / fahren
z Züri siin Zürich sein
Ich persönlich hasse dieses Wort mit Leidenschaft! Es tönt schrecklich und keinesfalls wie der wohlklingende französische Begriff, von dem es sich ableitet: crème glacée. (Pauvre français!)
Aber es hat wohl noch nie ein echter Eidgenosse Speiseeis oder Eiskrem gesagt. Wer ernsthaft lernen will, muss sich (leider) anpassen.

Quellen

  1. «Zur Genese der Verbverdopplung bei gaa, cho, laa, aafaa im Schweizerdeutschen», in Dialektsyntax Sonderheft 5/1993, Springer, ISBN 978-3-322-97032-9
  2. «Empirische Studien zur Verbverdoppelung in schweizerdeutschen Dialekten», in Zurich Open Repository and Archive, University of Zurich, DOI 10.5167/uzh-52463
  3. Go(ge) schaffe gaa
  4. Die Volkslieder der Deutschen, von Friedrich Karl von Erlach

3. Präpositionen und Richtungsadverbien

Verwendungsbeispiele gibt es hier.

PräpositionRichtungsadverb
inin / iine / ie, usenine (von aussen nach innen)
ausususe, inenuse (von innen nach aussen)
aufufufe, un(d)enufe (von unten nach oben)
abababe, obenabe (von oben nach unten)
unterunderundere
überüberübere
hinterhinderhindere
vorvorfüre
nebennäb / näbe / näbetane
durchdurch / durdure
umumume

14. Grammatik: Präpositionen und Richtungsadverbien

Wortschatz


PräpositionBeispieleRichtungsadverbBeispiele
inin / i+ Akk.: S Ässe ins Chüelschrank stelle.ine / ie, usenine (von aussen nach innen)Chum ine!
+ Dat.:
Er schafft im Büro.
Si redt imene gmüetliche Ton.
aususSi chunt usem Chäller mitere Flasche Wii.use, inenuse (von innen nach aussen)Use! («Hinaus!»)
Ich mag ruehig am Fenschter staa un useluege.
aufuf+ Akk.:
Si setze sich uf de / ufe vordere Teil vo irem Stuehl.
ufe, un(d)enufe (von unten nach oben)Ich gang gschwind ufe!
+ Dat.: Er hocket uf sim Stuehl, wie we en das überhoupt nöd würd aagaa.
ababab d nächschte Wucheabe, obenabe (von oben nach unten)d Treppe abelaufe
unterunder+ Akk.: Sini Ex-Frau tuet im allewil ire Erfolg under d Nase ribe.undere
+ Dat.: E Schträgglä lebt under mim Bett.
überüber+ Akk.: Din Karl, de isch scho wieder über d Brügg.übereÜber d Brügg isch er wieder übere.
+ Dat.: S Fleisch hängt überem Füür zum Räuchere.
hinterhinder+ Akk: Si lebed hinderem Hüegel.hindereSi lebed dört hindere, hinderem Hüegel.
+ Dat.: Das bin i uf dem Foto, hinder mim chliine Brüeder, won ufe un abe springet.
vorvor+ Akk.: S Föteli isch schlecht worde, weil min chliine Brüeder sich vor mi gstellt hät.füreGib nöd uf, lueg füre, lach und brüel, träum und trau di!
+ Dat.: D Mensche laufe Tag u Nacht vorem Bahnhof hin un her; wie d Ameise.
nebennäb / näbe / näbetUf dem Buechrücke, wo näb dene Flasche gstanden isch, isch aagschriibe gsi:aneWie guet, dass du da bisch! Hock da ane!
durchdurch / durDurch das, dass me früecher ufstaat, gaat d Sonne nöd früecher uf.dureD Muus lauft under d Muur dure.
umumIch bitt di nume um es bitzeli Liebi.umeSi händ zerscht de Baum begrüesst, und denn hät eis vo de Meitli es Lied aafaa z singe und d andere händ sich a d Händ gnaa und sind um de Baum ume tanzed.

Wortschatz

s Ässedas Essen
de Chüelschrankder Kühlschrank
chumkomm
schaffearbeiten
redesprechen
gmüetlichgemütlich
de Chällerder Keller
de Wiider Wein
luegesehen, schauen
de Stuehlder Stuhl
hockesitzen
gschwindschnell, kurz
aagaaangehen
d Wuchedie Woche
allewilimmer, jeweils
d Schträgglädie Hexe
d Brüggdie Brücke
s Füürdas Feuer
de Hüegelder Hügel
chliinklein
s Fötelidas Foto (Diminutiv)
früechfrüh
es bitzeliein bisschen
zerschtzuerst
s Meitlidas Mädchen
gnaa / gnoogenommen

Loriot

Bettenkauf: Sketch von Loriot

Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, bekannt unter dem Künstlernamen Loriot, etablierte sich von den 1950er-Jahren an bis zu seinem Tod in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Sein Humor mag in dieser Zeit vielleicht nicht mehr nach jedermanns Geschmack sein, aber Hochdeutsch ist selten so schön gesprochen worden!

Quellen

  1. Loriot

1. Grussformeln

Formell
Informell

Formell

GrussAbschied
Grüezi!Uf Wiedersee! / Uf Wiedergsee! / Uf Wiederluege!
Guete Morge!Adje! / Ade!1Vgl. frz. Adieu.
Gueten Obe / Abig!

Wenn man sich an mehr als eine Person gleichzeitig richtet, kann man all diese Formen um das Wort mitenand (miteinander) erweitern, z.B.: Grüezi, mitenand!

Informell

GrussAbschied
Hallo!Sali! / Salü!2Vgl. frz. Salut.
Hoi!Tschüss!

Wenn man sich an mehr als eine Person gleichzeitig richtet, kann man all diese Formen um das Wort zäme (zusammen) erweitern, z.B.: Hoi, zäme!

¹Vgl. frz. Adieu.
²Vgl. frz. Salut.