6. Zahlen, Uhrzeiten, Daten

Zahlen
Uhrzeiten
Ordinalzahlen
Daten

Zahlen

1äis11elf21äinezwänzg40vierzg
2zwäi12zwölf22zwäiezwänzg50füfzg
3drüü13drizä23drüüezwänzg60sächzg
4vier14vierzä24vierezwänzg70sibezg
5föif15füfzä25föifezwänzg80achzg
6sächs16sächzä26sächsezwänzg90nüünzg
7sibe17sibezä27sibenezwänzg100hundert
8acht18achzä28achtezwänzg1’000tuusig
9nüün19nüünzä29nüünezwänzg1’000’000e Milioon
10zää20zwänzg30driisg1’000’000’000e Miliard

Die Endung -i

AlterIch bin geschter sächsezwänzgi worde. (Auch informell: 26i.)
TramnummerDa chunt s Vierzäni.
Schuh- und Kleidergrössens Nüünedriisgi
UhrzeitenIch chume um föifi.

Uhrzeiten

MinuteBeispiele
05:00Ich chumen um d föifi ume. (gegen 5)
5föif ab1:05S isch föif ab äis.
10zää ab2:10S isch zää ab zwäi.
15Viertel ab3:15S isch Viertel ab drüü.
20zwänzg ab4:20S isch zwänzg ab vieri.
25föif vor halbi5:25Ich chumen am föif vor halbi sächsi.
30halbi6:30Ich chumen öppen am halbi sibeni. (um ca.)
35föif ab halbi7:35Ich bin da sit föif ab halbi achti.
40zwänzg vor8:40S isch zwänzg vor nüüni.
45Viertel vor9:45S isch Viertel vor zäni.
50zää vor10:50S isch zää vor elfi.
55föif vor11:55S isch föif vor zwölfi.

Ordinalzahlen

1.eerscht11.elft30.driissgischt / driissigscht
2.zwäit12.zwölft40.vierzgischt / vierzigscht
3.dritt13.drizäät50.füfzgischt / füfzigscht
4.viert14.vierzäät60.sächzgischt / sächzigscht
5.föift15.füfzäät70.sibezgischt / sibezigscht
6.sächst16.sächzäät80.achzgischt / achzigscht
7.sibet17.sibezäät90.nüünzgischt / nüünzigscht
8.acht18.achzäät100.hundertscht
9.nüünt19.nüünzäät1’000.tuusigscht
10.zäät20.zwänzgischt / zwänzigscht

Daten

  • De welet hämer hüt?
  • Hüt hämer de föift Novämber.
  • De welet isch moorn?
  • Moorn isch de zwäiezwänzgischt Juli.
  • De wivilt isch geschtere gsi?
  • Geschter isch de driizäät Mai gsi.
  • Wänn häsch Geburi?
  • Min Geburi isch am driizääte Septämber.
  • Wann gäsch i d Ferie?
  • Ich gaa i d Ferie am sächzääte Oktober.
  • Mir händ scho Mitti Monet.

17. Regionale Unterschiede

Übersicht
Berndeutsch
Baseldeutsch
Wortschatz


Der Fokus dieses Blogs liegt auf Zürichdeutsch (ZHDt). Zum Beispiel wird im Wortschatz-Teil, wenn nicht anders angegeben, immer nur die ZHDt-Variante angegeben. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle eine kurze Übersicht über die Unterschiede zu den Dialekten anderer Regionen der Schweiz aufführen.

Im Grunde genommen handelt es sich immer noch um dieselbe Sprache, auch wenn Sprecher der unterschiedlichen Regionen manchmal spielerisch die Sprache der eigenen Region als besonders einzigartig preisen. Grammatisch gibt es zum Beispiel nur minimale Unterschiede. Auch der Grundwortschatz ist immer derselbe. Allerdings gibt es systematische Lautabweichungen zwischen den Varietäten, die dazu führen, dass sich sehr viele Worte in der Schrift unterscheiden; das kann den Eindruck erwecken, dass die Varietäten unterschiedlicher seien, als sie in Wirklichkeit sind.

Zudem gibt es auch ein einzigartiges Wortschatzreichtum, das seinen Grund vor allem darin hat, dass die Geographie der Schweiz bis vor relativ kurzer Zeit die weitgehende Isolation von verschiedenen Regionen begünstigt hat, weswegen sehr alte Formen überlebt haben. Ausserdem sind alle anderen Sprachen der Schweiz romanisch. Durch ihren Einfluss sind die schweizerdeutschen Dialekte besonders reich an Vokabular, das Deutschsprechern, die keine romanische Sprache können, eher fremd vorkommt.

Übersicht

Im Prinzip beansprucht jeder Kanton mindestens eine «eigene» Version des Schweizerdeutschen für sich, aber die alle einzeln zu analysieren ist an dieser Stelle nicht möglich. Statt dessen möchte ich grob zwischen den folgenden «grossen» Sprachregionen unterscheiden:

ZürichDies ist bei weitem die grösste Sprachregion. Auch die Zentralschweiz kann man grob dazu zählen, auch wenn ich mir dabei den Hass z.B. der Lozärner, Zuger und Urner sichere. Allerdings ist es so, dass sich die Sprache graduell mehr und mehr von D-StdDt entfernt, je weiter man nach Süden geht.

BernAuch innerhalb dieser Region gibt es viele Unterschiede, ja sogar innerhalb der Stadt Bern, aber man erkennt Berner im Grossen und Ganzen leicht an ihre Tendenz, langsamer zu sprechen, so wie an der Vokalisierung des /l/-Lautes, was ihrer Aussprache eine runde, süsse Weichheit verleiht.

BaselDie traditionelle Sprache der Stadt Basel gehört eigentlich zur niederalemannischen Dialektgruppe, während im Rest der Schweiz Hoch- oder Höchstalemannisch gesprochen wird1____Mehr zu diesen Begriffen gibt es hier: https://swissgerman.czutro.ch/?p=306 .. Die Sprache von älteren Stadtbaslern steht den Dialekten des Elsass und Südbadens (Deutschland) näher als den Dialekten der Schweiz. Allerdings gleicht sich die Sprache in den jüngeren Generationen langsam dem Hochalemannischen an.
Im Prinzip könnte auch die Sprache Schaffhausens zu dieser Kategorie zählen. Auch hier ist die Nähe zu Deutschland deutlich «herauszuhören», vor allem wegen dem «französichen R» und wegen der Sprachmelodie, die manchmal stark an den südlichen Schwarzwald erinnert.

OstschweizDie Dialekte der Ostschweiz (Thurgau, St. Gallen und Appenzell) unterscheiden sich stark voneinander aufgrund der Geographie. Im Thurgau ist die Nähe zum Bodenseealemannischen und zum Schwäbischen deutlich zu hören, in Sargans dafür die Nähe zu Graubünden und Österreich. Und in den engen Tälern der Appenzeller Berge überleben Hunderte von Begriffen, die sonst nirgendwo zu hören sind.
Aus deutscher Sicht ist die Sprache der Ostschweiz dezidiert schweizerisch, aber Schweizer Ohren hören die Nähe zu Deutschland ganz leicht. Ich habe persönlich Zürcher getroffen, die scherzhaft behauptet haben, St.-Gallen-Deutsch sei «im Prinzip schon Hochdeutsch».

WallisWalliserdeutsch gehört zum Höchstalemannischen, und damit unterscheidet es sich klanglich am Stärksten von der standarddeutschen Sprache. Der Wallis ist von der übrigen Schweiz geographisch stark isoliert, so dass die Deklinations- und Konjugationsvielfalt des Althochdeutschen überlebt hat, und auch der Genitiv ist bei konservativen Sprechern noch lebendig. Ausserdem ist hier der Einfluss der altfranzösischen Sprachen auf den Wortschatz am Stärksten.

GraubündenWie im Wallis haben auch hier, bedingt durch die Geographie, in verschiedenen Dialekten sehr alte Sprachmerkmale überlebt. Ausserdem gibt es noch die spezielle Varietät, die sich ergibt wenn Rumantsch-Muttersprachler CHDt sprechen.

¹Mehr zu diesen Begriffen gibt es hier.

Berndeutsch

Beispiele
BEDt2BerndeutschZHDtStdDt
Aussprache
Vokalisierung von l im Silbenauslaut. Es wird wie ein polnisches ł oder ein englisches w ausgesprochen.
Es wird mit u geschrieben, aber der Buchstabe behält seinen Charachter als Konsonant: d.h., der [u]-Laut bildet keinen Diphthong mit dem vorangehenden Vokal!
verzeue
[fɛrˈtsɛːuə],
nicht
[fɛrˈtsɔʏ̯ə]!
verzähleerzählen
d Chiuched Chiledie Kirche
auiallialle
viuvillviel
Velarisierung3Verdunklung eines Lauts durch die Annäherung der Zunge an den hinteren Teil des Gaumens (Velum) [1]. von nd. Es wird in der Schrift mit ng angegeben, und [ŋ] ausgesprochen (wie das ng in Finger).de Hungde Hundder Hund
d Stungd Stunddie Stunde
aaaigaitgaatgeht
auou s Outos Autodas Auto
manchmal Verkürzung von historisch langen Vokalen (Diphthonge auf StdDt)witwiitweit
schribeschriibeschreiben
sugesuugesaugen
Ei wird eher als [eɪ] ausgesprochen statt als [aɪ].[fleɪʃ][flaɪʃ]Fleisch
Grammatik
Transposition von Hilfs- und Hauptverb in NebensätzenI ha si la gaa. Ich ha si gaa laa.Ich habe sie gehen lassen.
Wiu i chrank bin gsi.Wil ich chrank gsi bin.Weil ich krank war.
Pluralendung -e auch bei einsilbigen starken Maskulina
(auf ZHDt Nullendung)
zwe Wägezwee Wägzwei Wege
zwe Tischezwee Tischzwei Tische
zwe Steinezwee Stäizwei Steine
keinen einheitlichen Plural bei der Verbkonjugationmir heimir händwir haben
diir heitir händihr habt
si heisi händsie haben
Zahlwörter zwei und drei mit Genus-Sensitivitätzwe Mannezwee Mannezwei Männer
zwo Frouezwee Frauezwei Frauen
zwöi Chingzwee Chindzwei Kinder
drei Mannedrü Mannedrei Männer
drei Frouedrü Frauedrei Frauen
drü Chingdrü Chinddrei Kinder
Höflichkeitsform mit der 2. statt der 3. Person PluralDiir / EuchSi / IneSie / Ihnen
Rechtschreibung
Der lange i-Laut [i​ː​] wird bevorzugt mit y statt ii geschrieben4Die meisten Mundartromane, die verfügbar sind, sind auf Berndeutsch..
Typisch Berner Wortschatz
Grüessech
(kommt von «Gott grüsse Euch»)
Grüezi
(kommt von «Gott grüsse Sie»)
gengjeweils, immer
liire, prichteplaudern
näärnachher
siderseither
u dä!na und?
de Giel [gɪu]der Junge,
der junge Mann
s Müntschider Kuss
Säg ejnisch! [ˈeɪnɪʃ]Sag mal!
²Berndeutsch
³Verdunklung eines Lauts durch die Annäherung der Zunge an den hinteren Teil des Gaumens (Velum) [1].
Die meisten Mundartromane, die verfügbar sind, sind auf Berndeutsch.

Baseldeutsch

Beispiele
BADt5BaseldeutschZHDtStdDt
Aussprache
Tendenz zum «französischen R» [ʁ]drisig [ˈdʁisɪg]driisg [ˈdriːsg]dreissig
/k/, das auf ZHDt als [x] (ch) realisiert wird, wird weniger rauh ausgesprochen, mit Tendenz zum standarddeutschen /k/, stärker behaucht.s Kind [kʰind] / [kind]s Chind [xind]das Kind
/k/, /p/, /t/ manchmal stimmhaft ausgesprochend Daigd Teigder Teig
glaichliiklein
manchmal Verkürzung von historisch langen Vokalen (Diphthonge auf StdDt)d Litd Lüütdie Leute
ditschtüütsch / düütschdeutsch
bissebiisebeissen
Entrundung vom mittelhochdeutschen [y] und [ø]griengrüengrün
scheenschönschön
bleedblödblöd
langes ü [y​ː​] ⟶ ie [iə]s Gmiets Gmüetdas Gemüt
kurzes ü [y] ⟶ ii [i​ː​]d Fliigeld Flügelder Flügel
aaood Oobed Aabigder Abend
-lich-ligmeegligmöglimöglich
Suffix der Zahlwörter 20, 30, … , 90 wie StdDtdrisig [ˈdʁisɪg]driisg [ˈdriːsg]dreissig
fufzig [ˈfuftsɪg]füfzg [fʏftsg]fünfzig
Zahlwort für 1000 mit Diphthongdausig [ˈdausɪg]tuusig [ˈtuːsɪg]tausend
Baseldeutsch

Wortschatz

verzähleerzählen
d Chiledie Kirche
d Stunddie Stunde
wiitweit
suugesaugen
zweezwei
drüdrei
d Wägder Weg
d Stäider Stein
driisgdreissig
füfzgfünfzig
tuusigtausend

Quellen

  1. Velarisierung
  2. «Handbuch des Deutschen in West- und Mitteleuropa: Sprachminderheiten und Mehrsprachigkeitskonstellationen», von R. Beyer und A. Plewnia, Narr Francke Attempto Verlag, ISBN 978-3823301745.

16. Grammatik: «Ich gang go poschte.»

Phänomen 1: Verbverdopplung
Phänomen 2: gen
Kombination beider Phänomene
Wortschatz


«Ich gang go poschte.»: der Satz, mit dem Schweizer gern beweisen, dass ihre Sprache nicht einfach Deutsch ist, sondern etwas eigenes. Davon abgesehen, dass poschte nichts mit Post zu tun hat, sondern (ein)kaufen heisst, was D-StdDt-Sprecher gerne verwirrt, enthält dieser Satz die Partikel go, deren Existenz die standarddeutsche Grammatik nicht erklären kann.

Doch die alemannische Grammatik hat zwei gute Erklärungen dafür.

Phänomen 1: Verbverdopplung

Fangen wir mit ein paar Beispielen an:

Gang go luege, ob d Poscht cho seg.Geh nachschauen, ob die Post gekommen ist.
Ich chum morn dich cho bsueche.Ich komme Dich morgen besuchen.
Wottsch mi würkli la gaa laa?Willst du mich wirklich gehen lassen?
Gschwind! Do fangt d Glace afa schmelze.Beeilung! Da fängt das Eis gerade an zu schmelzen.
Tabelle 1: go, cho, laa, afa

Im Alemannischen1Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier. werden die Verben gaa, cho, laa und aafaa, wenn sie reine Infinitive regieren, in verkürzter Form vor dem regierten Infinitiv wiederholt [1]. «Regieren» bedeutet, dass gaa, cho, laa und aafaa als Hilfsverben eingesetzt werden, während das Hauptverb im Infinitiv ist. In den Beispielen auf Tabelle 1 sind das luege, bsueche, gaa und schmelze.

Besonders wichtig ist, dass die Verdopplungspartikel nicht identisch mit dem regierenden Verb ist, sondern eine verkürzte Form davon. Ausserdem gibt es eine grosse geographische Variation, wie die verkürzte Partikel genau lautet, und wann genau sie angewendet wird.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Folgende Sätze sind reale Beispiele:

Er chunt go jasse.Er kommt zum Jassen2Jass ist wahrscheinlich das beliebteste Kartenspiel der Schweiz. Es ist auch im übrigen alemannischen Sprachraum verbreitet, aber seine Popularität ist in der Schweiz sicher am höchsten..
Si faart an Bahnhof ire Maa go abhole.Sie fährt zum Bahnhof, um ihren Mann abzuholen.
Tabelle 2: cho + go, faare + go

Sind das auch Verbverdopplungen? Schliesslich sind cho und faare irgendwie Variationen von gaa, oder? Alles Bewegungsverben.

Nein. Laut [2] müssen beide lexikale Elemente mit dem selben Verb assoziiert sein. Also sind die einzig erlaubten Kombinationen gaa mit go, cho mit cho, laa mit la und aafaa mit afa.

Die Beispiele auf Tabelle 2 entsprechen nicht der Verbverdopplung, sondern einem anderen Phänomen.

¹Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier.
²Jass ist wahrscheinlich das beliebteste Kartenspiel der Schweiz. Es ist auch im übrigen alemannischen Sprachraum verbreitet, aber seine Popularität ist in der Schweiz sicher am höchsten.

Phänomen 2: gen

Manchmal hört man von älteren Mitbürgern Sätze wie

Ich gang go Züri.3Heutzutage sagt man eher «Ich gang uf Züri.»

Bei diesem Satz handelt es sich nicht um das Phänomen der Verbverdopplung, denn in diesem Satz wird gaa nicht als Hilfsverb verwendet, sondern es wird konjugiert (gang). Das go muss aber einen Grund haben.

In Wirklichkeit leitet sich dieses go vom Mittelhochdeutschen gen (gegen) ab [3], und es wird offensichtlich im Sinne von nach verwendet. Also bedeutet «Ich gang go Züri.» nichts anderes als «Ich gehe nach Zürich.». Ähnlich kann «Ich gang go schlafe.» gedeutet werden als «Ich gehe zum Schlafen.».

Das (standarddeutsche) Wort gen ist nicht mehr üblich, aber es kommt oft in der Bibel vor, so wie in weiteren älteren Texten. Zum Beispiel: «Sie fuhren gen Rapperswyl über See.», aus «Die Volkslieder der Deutschen» von Friedrich Karl von Erlach, erschienen im Jahre 1834 [4].

Wenn go von gen abstammt, kann auch sehr oft ge verwendet werden. Auch ga, gi und gu sind möglich.

³Heutzutage sagt man eher «Ich gang uf Züri.»

Kombination beider Phänomene

Schauen wir uns nun ein weiteres Beispiel an, das unter jungen CHDt-Sprechern freilich nicht mehr oft zu finden ist.

Ich gang goge schaffe.Ich gehe arbeiten.

Manche Autoren haben diese Konstruktion fälschlicherweise als Verbverdreifachung gedeutet (gang, go, ge: drei Mal gehen, oder?). Aber das ist sie nicht. In Wirklichkeit ist goge die Kombination von go (Verbverdopplung) und ge (gen).

Wortschatz

poschtekaufen
luegesehen / nachschauen
mornmorgen
d ˈGlace4Ich persönlich hasse dieses Wort mit Leidenschaft! Es tönt schrecklich und keinesfalls wie der wohlklingende französische Begriff, von dem es sich ableitet: crème glacée. (Pauvre français!) Aber es hat wohl noch nie ein echter Eidgenosse Speiseeis oder Eiskrem gesagt. Wer ernsthaft lernen will, muss sich (leider) anpassen.das Speiseeis
würkliwirklich
jassejassen / Jass spielen
töneklingen
uf Züri gaa / faarenach Zürich gehen / fahren
z Züri siin Zürich sein
Ich persönlich hasse dieses Wort mit Leidenschaft! Es tönt schrecklich und keinesfalls wie der wohlklingende französische Begriff, von dem es sich ableitet: crème glacée. (Pauvre français!)
Aber es hat wohl noch nie ein echter Eidgenosse Speiseeis oder Eiskrem gesagt. Wer ernsthaft lernen will, muss sich (leider) anpassen.

Quellen

  1. «Zur Genese der Verbverdopplung bei gaa, cho, laa, aafaa im Schweizerdeutschen», in Dialektsyntax Sonderheft 5/1993, Springer, ISBN 978-3-322-97032-9
  2. «Empirische Studien zur Verbverdoppelung in schweizerdeutschen Dialekten», in Zurich Open Repository and Archive, University of Zurich, DOI 10.5167/uzh-52463
  3. Go(ge) schaffe gaa
  4. Die Volkslieder der Deutschen, von Friedrich Karl von Erlach

14. Grammatik: Präpositionen und Richtungsadverbien

Wortschatz


PräpositionBeispieleRichtungsadverbBeispiele
inin / i+ Akk.: S Ässe ins Chüelschrank stelle.ine / ie, usenine (von aussen nach innen)Chum ine!
+ Dat.:
Er schafft im Büro.
Si redt imene gmüetliche Ton.
aususSi chunt usem Chäller mitere Flasche Wii.use, inenuse (von innen nach aussen)Use! («Hinaus!»)
Ich mag ruehig am Fenschter staa un useluege.
aufuf+ Akk.:
Si setze sich uf de / ufe vordere Teil vo irem Stuehl.
ufe, un(d)enufe (von unten nach oben)Ich gang gschwind ufe!
+ Dat.: Er hocket uf sim Stuehl, wie we en das überhoupt nöd würd aagaa.
ababab d nächschte Wucheabe, obenabe (von oben nach unten)d Treppe abelaufe
unterunder+ Akk.: Sini Ex-Frau tuet im allewil ire Erfolg under d Nase ribe.undere
+ Dat.: E Schträgglä lebt under mim Bett.
überüber+ Akk.: Din Karl, de isch scho wieder über d Brügg.übereÜber d Brügg isch er wieder übere.
+ Dat.: S Fleisch hängt überem Füür zum Räuchere.
hinterhinder+ Akk: Si lebed hinderem Hüegel.hindereSi lebed dört hindere, hinderem Hüegel.
+ Dat.: Das bin i uf dem Foto, hinder mim chliine Brüeder, won ufe un abe springet.
vorvor+ Akk.: S Föteli isch schlecht worde, weil min chliine Brüeder sich vor mi gstellt hät.füreGib nöd uf, lueg füre, lach und brüel, träum und trau di!
+ Dat.: D Mensche laufe Tag u Nacht vorem Bahnhof hin un her; wie d Ameise.
nebennäb / näbe / näbetUf dem Buechrücke, wo näb dene Flasche gstanden isch, isch aagschriibe gsi:aneWie guet, dass du da bisch! Hock da ane!
durchdurch / durDurch das, dass me früecher ufstaat, gaat d Sonne nöd früecher uf.dureD Muus lauft under d Muur dure.
umumIch bitt di nume um es bitzeli Liebi.umeSi händ zerscht de Baum begrüesst, und denn hät eis vo de Meitli es Lied aafaa z singe und d andere händ sich a d Händ gnaa und sind um de Baum ume tanzed.

Wortschatz

s Ässedas Essen
de Chüelschrankder Kühlschrank
chumkomm
schaffearbeiten
redesprechen
gmüetlichgemütlich
de Chällerder Keller
de Wiider Wein
luegesehen, schauen
de Stuehlder Stuhl
hockesitzen
gschwindschnell, kurz
aagaaangehen
d Wuchedie Woche
allewilimmer, jeweils
d Schträgglädie Hexe
d Brüggdie Brücke
s Füürdas Feuer
de Hüegelder Hügel
chliinklein
s Fötelidas Foto (Diminutiv)
früechfrüh
es bitzeliein bisschen
zerschtzuerst
s Meitlidas Mädchen
gnaa / gnoogenommen

13. Aussprache: Schwach- und Starktonformen

Beispiel: Personal- und Possessivpronomen
Beispielsätze
Wortschatz


Ich han en Hund. Häsch du es Huustier?Ich habe einen Hund. Hast du ein Haustier?
Ja, hani.Ja, habe ich.
«Ich» oder «i»? Wie sagt man nun «ich» auf Schweizerdeutsch?

Als ich in der fünften oder sechsten Klasse war, hat mein Deutschlehrer mal folgenden Satz gesagt: «Langsam, laut und deutlich! Richtiges Deutsch zeichnet sich dadurch aus, dass jeder einzelne Buchstabe richtig artikuliert wird. Immer!» Den Satz hat er besonders loriothaft ausgesprochen. Folglich habe ich den nie mehr vergessen, und als Schüler habe ich auch gedacht, das sei die einzig richtige Art, Deutsch zu sprechen.

Doch das gilt nur für die idealisierte Standardsprache. Die Realität ist, dass die Leute im Alltag eben nicht perfekt artikulieren. Auch der «Hochdeutschsprecher» sagt mal «Ds hamma schon.» statt idealisiert korrekt «Das haben wir schon.» Und keinem, der das hört, fällt das als falsch auf.

Es ist auch nicht wirklich falsch. Phänomene wie Vokalreduktion kommen in vielen Sprachen vor [1, 2, 8], und in manchen Sprachen sind sie sogar Teil der Standardsprache. Nicht selten erkennen Englisch-Muttersprachler einen Non-Native genau daran, dass dieser «zu perfekt» artikuliert.

Vokalreduktion bedeutet, dass Vokale in unbetonten Silben anders ausgesprochen werden als in betonten Silben, nämlich «weniger genau». Die Vokalreduktion kommt auch im Standarddeutschen vor. Vater liest man nämlich [ˈfaːtɐ] statt [ˈfaːter]. Irgendwann in der Geschichte hat das e in Vater an Qualität verloren, und das r ist komplett verschwunden. Der Qualitätsverlust ist schliesslich als richtig akzeptiert worden: so sehr, dass Deutsche es generell als falsch empfinden, wenn jemand [ˈfaːter] sagt.

Was es auf StdDt nicht gibt ist ein dynamisches Phänomen, wodurch das gleiche (einsilbige) Wort anders ausgesprochen wird, je nachdem, ob das Wort im Satz betont oder unbetont ist. Das heisst, in manchen Sprachen gibt es einsilbige Worte in zwei Versionen: die betonte Version des Wortes nennt man Starktonform, die unbetonte dagegen Schwachtonform [3]. Achtung: den Unterschied gibt es generell nur in der Aussprache, nicht in der Schrift!

Alemannisch1Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier. gehört zu den Sprachen, die dieses dynamische Phänomen kennen. Standardenglisch genau so, und bevor wir uns CHDt wenden, möchte ich ein Beispiel aus dem Englischen zeigen, weil es den meisten wahrscheinlich schon bekannt ist:

That is a [ə] cat.Das ist eine Katze.
I don’t mean that cat. I mean a [eɪ] cat.Ich meine nicht die Katze, sondern eine (irgendeine) Katze.

Im ersten Satz, in dem der Artikel a nicht betont ist (weil das Wort Katze das zentrale Element der Aussage ist), liest man a wie [ə], also wie ein kurzes zentrales e (Schwa [4]), etwa wie das e in CHDt guet (gut). Im zweiten Satz, in dem der Artikel a betont ist (weil die Klarifizierung, dass es sich um eine, und nicht um die Katze handelt, die zentrale Aussage ist), wird das a dagegen wie [eɪ] gelesen, also so wie der Buchstabe A im englischen Alphabet heisst.

Das gibt es auf Schweizerdeutsch auch:

Ich han en Hund. Häsch du es Huustier?
Ja, hani.

Im zweiten Satz, in dem das Wort Ja zentral ist, wird das ich reduziert und mit dem vorangehenden ha zu hani verschmolzen. Warum das n da ist, wird hier erklärt.

¹Schweizerdeutsch ist Alemannisch! S. hier.

Beispiel: Personal- und Possessivpronomen

Possessivpr.
Nom.Akk.Dat.Nom. / Akk.
iich
ich / i
miich
mi
miir
mer
miin, miis, miini
min, mis, mini
duu
du / d
diich
di
diir
der
diin, diis, diini
din, dis, dini
eer
er
in
en
im
em
siin, siis, siini
sin, sis, sini
sii
si
sii
si
ire
ir / ere
ire, ires, iri
ir, irs, iri
ees
es / s
ins
s
im
em
siin, siis, siini
sin, sis, sini
miir
mir / mer
ois2Auch eus geschrieben. / öis
ois / is
ois / öis
ois / is
öise, öises, öisi
oise, oises, oisi
iir
ir / er
öi
öi / i
öi
öi / i
öie, öies, öiri
öie, öies, öii
sii
si
sii
si / s
ine
ine / ene
ire, ires, iri
ire, ires, iri
Starktonformen in Fettschrift (obere Zeile),
Schwachtonformen in Normalschrift (untere Zeile)
²Auch eus geschrieben.

Am Beispiel der Personal- und Possessivpronomen ist leicht zu erkennen, dass die Qualität der Vokale degradiert wird, wenn diese Worte unbetont sind. Fast alle Starktonformen haben lange Vokale, während alle Schwachtonformen kurze Vokale haben. Bei iich oder miich wird nicht nur der Vokallaut verkürzt, sondern der ch-Laut verschwindet auch. Bei öis oder öi degradiert sich der (schwer auszusprechende) Diphtong öi zum einfachen Vokal i. Und bei den Dativ-Formen miir, diir und im, vereinfacht sich das lange oder kurze i zu e.

Wieso ist das /e/ einfacher als das /i/? Wegen der Zungenposition. Das /e/ wird als [e] oder [ə] realisiert. Das sind zentrale Laute; das heisst die Zunge befindet sich im Zentrum des Mundes, und damit ist sie eher relaxiert als bei den Lauten [i​ː] oder [ɪ]3Wer mehr darüber wissen möchte, sollte über das Vokaltrapez [5, 6, 7] lesen..

In jedem Fall sehen wir, dass es eine natürliche Tendenz gibt, «sich weniger Mühe» zu geben, wenn man Worte ausspricht, die eine weniger wichtige Rolle im Satz spielen. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang.

Zurück zu den Personal- und Possessivpronomen: es ist zu bemerken, dass die Doppelvokalschreibweisen sehr selten zu sehen sind. In den Tabellen hier und hier gebe ich diese Schreibweisen der Einfachheit halber auch nicht an. Jedoch sollte man sich merken, dass es in der Aussprache definitiv einen Unterschied ausmacht, ob diese Worte betont oder unbetont sind.

³Wer mehr darüber wissen möchte, sollte über das Vokaltrapez [5, 6, 7] lesen.

Beispielsätze

In der folgenden Tabelle werden noch die Schreibweisen mit Doppelvokal verwendet, um den Unterschied zwischen betonten und unbetonten Formen deutlich zu machen. Später in diesem Blog werde ich der Einfachheit halber nur die Schreibweisen mit Einfachvokal verwenden.

unbetontbetont
Ich bi de Ueli.Mini Schweschter trinkt nöd gärn Milch, iich scho.
Min Brüeder frägt mi öppis.Frägsch du miich?
Das isch mer gliich.Miir isch das gliich..
Ich suech di scho lang.Diich suech i!
I säge s der nöd.Ich säge s nume diir!
Er isch de Brüeder vom Ueli.De Ueli isch blond, eer nöd.
Mer gseet si nöd vil i der Stadt.Sii gseet mer mee bim Wandere.

Wortschatz

de Brüederder Bruder
d Schweschterdie Schwester
öppisetwas
gliichgleich, egal
suechesuchen
sägesagen
numenur
nümenicht mehr
meemehr
merman

Quellen

  1. Unstressed Syllables in English Phonology
  2. Stress and vowel reduction in English
  3. Schwachtonform
  4. Das Schwa
  5. Das Vokaltrapez
  6. Vowel diagram
  7. The International Phonetic Alphabet
  8. The English Language, by David Crystal

15. Grammatik: Kurzverben

Konjugation im Präsens
Regionale Unterschiede


Morphologische Studien zeigen, dass in den meisten Sprachen die meistgebrauchten Worte tendenziell kürzer sind [1, 2]. Das leuchtet ein. Es wäre doch sehr umständlich, relativ einfache Zusammenhalte auszudrücken, wenn die Verben sein oder haben so lang wären wie etwa entgegensetzen!

So ist es im Deutschen natürlich auch: die meistgebrauchten Verben sind eher kurz. Aber die alemannische Dialektfamilie verwendet noch kürzere Formen, die aus linguistischer Sicht sehr interessant sind, weil deren Konjugation Regeln unterliegt, die auf StdDt nicht gültig sind. Kurzverben wie auf CHDt gibt es übrigens auch in manchen germanischen Sprachen Nordeuropas, z.B. im Norwegischen oder Schwedischen, deren Kurzverben überraschenderweise fast identisch zu den schweizerdeutschen sind [3].

Kurzverben haben einen einsilbigen Infinitiv, der immer auf einen langen Vokal oder Diphtong endet [4, 5]. Auch das Partizip Perfekt ist meistens einsilbig.

si1Auch sy oder sii geschrieben. Obwohl die Schreibweise si im Grunde genommen falsch ist, weil lange Vokale durch Verdopplung angegeben werden müssen, ist die Schreibweise si sehr verbreitet. Das ist wohl ein weiteres Beispiel dafür, wie die am Meisten verwendeten Worte auf natürliche Weise tendenziell vereinfacht werden.sein
ha2Auch haa geschrieben. Auch hier ist ha eigentlich nicht ganz richtig, aber sehr verbreitet.haben
chokommen
gaa / googehen
staa / stoostehen
laa / loolassen
geegeben
neenehmen
schlaa / schlooschlagen
gseesehen
tuetun
zieziehen
fliefliehen
gscheegeschehen
faa3Fangen wird oft als Nicht-Kurzverb gebraucht, also als fange (fang, fangsch, fangt, fanget). Jedoch werden von fangen abgeleitete Verben wie aafaa (anfangen) wie Kurzverben konjugiert (faa aa, faasch aa, faat aa, fönd aa).fangen
Tabelle 1: die schweizerdeutschen Kurzverben [4, 5]. Hier gibt es die vollständigen Konjugationstabellen.
¹Auch sy oder sii geschrieben. Obwohl die Schreibweise si im Grunde genommen falsch ist, weil lange Vokale durch Verdopplung angegeben werden müssen, ist die Schreibweise si sehr verbreitet. Das ist wohl ein weiteres Beispiel dafür, wie die am Meisten verwendeten Worte auf natürliche Weise tendenziell vereinfacht werden.
²Auch haa geschrieben. Auch hier ist ha eigentlich nicht ganz richtig, aber sehr verbreitet.
³Fangen wird oft als Nicht-Kurzverb gebraucht, also als fange (fang, fangsch, fangt, fanget). Jedoch werden von fangen abgeleitete Verben wie aafaa (anfangen) wie Kurzverben konjugiert (faa aa, faasch aa, faat aa, fönd aa).

Von Kurzverben abgeleitete Verben, wie z.B. umeschlaa («um sich herum schlagen»), durezie (durchziehen), abelaa (herunterlassen), ufegaa (hinauf gehen), etc., sind nicht mehr einsilbig, aber sie werden wie Kurzverben konjugiert.

Konjugation im Präsens

Normale Verben haben einen Stamm, und die verschiedenen Formen werden durch das Hinzufügen einer Endung gebildet. Kurzverben haben dagegen einen Singularstamm und einen abweichenden Pluralstamm, der meistens einen Umlaut enthält [6]. Ausserdem ist die Endung im Plural anders als bei Normalverben.

Beispiel
Infinitivtue
ichSingularstammtue
duSingularstamm + schtuesch
er / si / esSingularstamm + ttuet
mir / ir / siPluralstamm + ndtüend
Tabelle 2: Konjugation der Kurzverben

Kurzverben sind stark irregulär. So können sie einen stark abweichenden Singularstamm und irreguläre Singularendungen haben, z.B. gee (geben): gib, gisch, git.

Ausserdem gibt es im Plural regionale Unterschiede. Zum Beispiel haben auf Zürichdeutsch alle drei Personen die gleiche Form. In Bern, Basel und Graubünden können zwei verschiedene Pluralformen vorkommen, im Wallis sogar drei, wie die folgenden Karten [7] zeigen:

Regionale Unterschiede

Auf Tabelle 1 sind für gehen, stehen, lassen und schlagen jeweils zwei Formen angegeben. Diese zwei Formen sind nicht grundsätzlich austauschbar, sondern sie hängen von der Region ab. In diesem Blog möchte ich mich auf Zürichdeutsch konzentrieren, aber da die Kurzverben sehr oft verwendet werden, ist es keine schlechte Idee, auch die Formen zu kennen, die in anderen Regionen üblich sind. Zum Beispiel:

ZHDt4ZürichdeutschBADt5Baseldeutsch / BEDt6Berndeutsch / SHDt7Schaffhausendeutsch
Infinitivlaaloo
ichlaaloo
dulaaschloosch
er / si / eslaatloot
mir / ir / sindnd
Zürichdeutsch
Baseldeutsch
Berndeutsch
Schaffhausendeutsch

Regionale Unterschiede in der Konjugation kann es auch geben, ohne dass der Infinitiv variiert. Zum Beispiel:

ZHDtBADtZHDtBADtZHDtBADT
Infinitivgeegeeneeneechokoo
ichgib(e)giibnim(e)nimmchum(me)kumm
dugischgischninschnimmschchunschkunnsch
er / si / esgitgitnintnimmtchuntkunt
mir / ir / sindndndnämmechöndkemme
Perfekt(g)geegeegnaagnoochokoo

Quellen

  1. Kurzverben und Morphologie
  2. Frequenz von Kurzverben
  3. Kurzverben in germanischen Sprachen
  4. Schweizerdeutsche Kurzverben
  5. Die Kurzverben im Schweizerdeutschen
  6. Umlaute in Kurzverben
  7. Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz

12. Grammatikübersicht: Verben

Wortschatz


Diese Unterschiede gelten nicht nur in den Schweizer Mundarten, sondern auch für CH-StdDt.

Unterschied zu D-StdDtBeispiele
Fehlen des Präteritums und PlusquamperfektsMir händ gässe und sind dänn is Kino gange.
liegen, sitzen und stehen bilden den Perfekt mit sein statt habenEr isch do glege, uf dem Bode.
Ich bin hüt de ganze Tag gstande.
Mir sind i d Beiz gsesse.
präsidieren und anfragen mit Akk.-Objektden Gemeiderat präsidieren
abpassen, rufen, anrufen auch mit Dat.-Objektdem Vater aalüte (den Vater anrufen)
mit manchen Verben Gen.- statt Dat.-Objektsich jemandem annehmen
abweichende Präpositionensehen zu (dtl. nach)
Sorge tragen zu (dtl. für)
anfragen, läuten, rufen, organisieren, telefonieren, sagen (benennen) auch ohne PräpositionIch organisiere dir eine Wohnung.
Wie sagt man einer männlichen Katze?
Oft gebrauchte Verben haben einsilbige Kurzformen.Siehe Artikel über Kurzverben (wird bald gepostet).

Wortschatz

hütheute
d Beizdie Kneipe
aalüteanrufen

Quellen

  1. Duden Schweizerhochdeutsch

11. Grammatikübersicht: Wortbestandteile

Die folgenden Unterschiede zum Standarddeutschen gelten nicht nur für die Mundart, sondern auch für CH-StdDt.

BestandteilBeispiele
Ausland- (dtl. Auslands-)Auslandaufenthalt
Auslandvertretung
-bietBaselbiet
Bernbiet
Einreiche-Einreichefrist
Erstklass-Erstklasshotel
-grädig (dtl. -gradig)vollgrädig
-grämmighundertgrämmig
Handfrei-Handfreianlage
kantons-kantonsweit
Kantonsbibliothek
Mittelklass- (dtl. Mittelklasse-)Mittelklasshotel
Petrol- (dtl. Petroleum-)Petrollampe
-plätzerFünfplätzer
-plätzigfünfplätzig
Produkte- (dtl. Produkt-)Produkteauswahl
retour-retourfahren
Retourbillet
-riegeMädchenriege
Rinds- (dtl. Rinder-)Rindsbouillon
Rindshuft
-Stern- (dtl. -Sterne-)4-Stern-Hotel
Tag- (dtl. Tage-)Tagblatt
-tönner (dtl. -tonner)40-Tönner
Zeichnungs- (dtl. Zeichen-)Zeichnungsblock
Zugs- (dtl. Zug-)Zugsabteil

Quellen

  1. Duden Schweizerhochdeutsch

10. Grammatikübersicht: Präpositionen

Die folgenden Unterschiede zum Standarddeutschen gelten nicht nur für die Mundart, sondern auch für CH-StdDt.

Unterschied zu D-StdDtBeispiele
Dativ statt Genitivdank / trotz / wegen dem, dass…
nachgestelltes entlang mit Dat. statt Akk. den Kanälen entlang
an + Dat. statt bei in Verbindung mit Anlässenan der Olympiade
an + Dat. statt in in Verbindung mit Lagean zentraler Lage
an + Akk. statt zu in Verbindung mit Anlässenetwas an die Sitzung mitbringen
auf + Dat. statt in in Verbindung mit öffentlichen Plätzenauf dem Stadtgebiet
auf dem Strassennetz
auf der Redaktion arbeiten
auf + Akk. statt um zur Angabe von Uhrzeitenjemanden auf 8 Uhr bestellen
auf + Akk. statt zu zur Angabe von Datenauf den 31. Dezember kündigen
auf + Akk. statt für zur Angabe einer Zeitdauerauf drei Monate planen
nur Mundart: auf statt nach in Verbindung mit Ortsnamenuf Züri faare
nur Mundart: zu statt in in Verbindung mit Ortsnamenz Züri si

Quellen

  1. Duden Schweizerhochdeutsch

9. Grammatikübersicht: Substantive

Genus
Plural
Numerus

Genus

dtl.CH-StdDt (CHDt)Beispiele
dieauch oder nur derButter
Couch
Jus
Salami
Samba
dasauch oder nur derGerümpel
Bund
Büschel
​Dessert [ˈdɛsɛːr]
Drittel, Viertel, usw.
Gratin
Gummi
Kataster
Kummet
Marzipan
Match
Passepartout [ˈpaspaʁˌtuː]
Prozent
Radio
Spray
Taxi
auch dasdieRösti
dasauch dieFoto
Raclette [ˈraklɛt]
Etikette [etiˈkɛtə](dtl. Etikett)
Limite [ˈlɪmitə](dtl. Limit)
Omelette(dtl. Omelett)
der / dasdieHektare(dtl. Hektar)
derdieSpargel
derauch oder nur dasAperitif
Bikini
Bonbon
Dress
Efeu
Joghurt
Kader
Kamin
Karamell
Kies
Pack
Pardon
Pyjama
Puff
Risotto
dieauch oder nur dasCola
E-Mail
Fondue
Gaudi
Labsal
Malaise [ˈmalɛːz]
Mami
Null
Praliné(dtl. Praline)
Rallye
SMS
Tram
Trassee(dtl. Trasse)

Plural

dtl.CH-StdDt (CHDt)
BogenBogenBögen
Departement (CH: [deːpartəˈmɛnt])DepartementsDepartemente
KragenKragenKrägen
ParkParksPärke
SpargelSpargelSpargeln

Numerus

In der Schweiz stehen im Plural:

Oschtere (Ostern)
Pfingschte (Pfingsten)
Wienacht(e) (Weihnachten)

Quellen

  1. Duden Schweizerhochdeutsch