3. Rechtschreibung und Aussprache

In der Schweiz gibt es eine Standardschriftsprache (CH-StdDt) [1], die im formalen Schriftverkehr verwendet wird. Die Mundarten aber haben keine standardisierte Rechtschreibung, und man kann leicht in Mundartromanen oder in der Werbung sehen, dass praktisch jeder Autor so schreibt, dass seine eigene Aussprache am Besten wiedergegeben wird. Innerhalb von Gruppen (z.B. Familien oder Freundeskreisen), die regelmässig in Mundart schriftlich miteinander kommunizieren, etwa mittels Textnachrichten, kann sich ein «Standard» entwickeln, der allerdings nur innerhalb der jeweiligen Gruppe gültig ist. Grundsätzlich gibt es nicht die eine korrekte Schreibweise auf CHDt, und folglich auch keine grundsätzlich falschen Schreibweisen.

Die folgenden Richtlinien gelten aber in jedem Fall:

  1. In der Schweiz schreibt man immer ss statt ß. Dies gilt insb. auch für CH-StdDt.
  2. Zusammengesetzte Namen werden zusammen geschrieben (z.B. Genfersee statt Genfer See, oder Zürcherstrasse statt Zürcher Strasse, und sogar Wienerschnitzel!). Dies gilt auch für CH-StdDt.
  3. ch wird immer rau ausgesprochen.
  4. Die Mitlaute /p/, /k/ und /t/ werden nicht behaucht. Bei Ausnahmen wird in der Schrift h verwendet, um das Behauchen zu symbolisieren, z.B. Thee (Tee).
  5. /r/ wird in den meisten Dialekten als stimmhaften alveolaren Vibrant ([r]) [2] statt als stimmhaften uvularen Frikativ ([ʁ]) [3] realisiert. In anderen Worten: «gerolltes» statt «französischem» R.
  6. Ein auslautendes -er wird in der Regel nicht geschwächt ausgesprochen, z.B. [ˈfaːter] statt [ˈfaːtɐ] (Vater).
  7. Das auslautende -n wird in der Regel elidiert (nicht ausgesprochen), daher in der Schrift auch weggelassen, z.B. faare statt faaren (fahren).
  8. Lange Vokale werden doppelt geschrieben, z.B. aa für [aː], etwa in aalüte (anrufen), oder uu für [uː], etwa in suufe (saufen).
    (Verlängerung durch -h ist gelegentlich auch anzutreffen.)
  9. [e] und [ɛ] werden oft überoffen ausgesprochen und durch ä oder ë angegeben, z.B. ässe (essen).
  10. Auslautendes -e wird unbetont ausgesprochen ([​ə]​).
  11. Auslautendes -ee wird lang ausgesprochen ([eː]).
  12. Auf CHDt steht ue nicht für den Laut [y] (ü), sondern es werden die Laute [u] und [ə] nacheinander ausgesprochen, wobei der [ə]-Laut deutlich kürzer ist.
  13. Ähnlich wird bei üe ein kurzer ⁠[ə]-Laut nach dem [y]-Laut ausgesprochen. Beispiel: Müesli (Müsli) statt Müüsli (Mäuschen).
  14. Ähnlich wird bei ie ein kurzer ⁠[ə]-Laut nach dem [i]-Laut ausgesprochen. Beispiel: lieb (lieb) statt Liib (Leib).
  15. Der Buchstabe y wird in der Regel als langes i ([iː]) gelesen (z.B. Ägypten [ˌɛˈɡiːptn̩], Glyzerin [ɡliːt͡seˈriːn], oder Zylinder [t͡siˈlɪnder]) mit Ausnahme einiger Worte griechischen Ursprungs (z.B. Mystik [ˈmyːstɪk]). Der Buchstabe selbst nennt sich auch Ipsilon. Dies gilt auch für CH-StdDt.
  16. Die Darstellung des [iː]-Lautes durch y ist auf CHDt nicht mehr zeitgemäss, findet sich aber oft in Nachnamen (z.B. Wyss), Ortsnamen (z.B. Hoch-Ybrig) und Namen von historischen Stätten (z.B. vom Zytturm in Zug).

Quellen

  1. Duden Schweizerhochdeutsch
  2. Stimmhafter alveolarer Vibrant
  3. Stimmhafter uvularer Frikativ

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